TABARNAK (aka Tripper nach Paris)! 2014

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Kommentare

  • und was sagt Ihr nu PBP möglich - Pflege sach mal an?  Da der Untergang ja eh Wahnsinn vor Vernunft bevorzugt ........ !

    ach nee oder doch - naja ........


     

  • PBP....heute würde ich sagen definitiv nein! Wir hatten jetzt ca 4500hm, PBP hat 10000!! Die Ardennen haben mir echt alles abverlangt, besonders die Eiskalte Nacht....ich hatte zwar das Gefühl nach 26std immer noch fahren zu können, aber da war viel Adrenalin bei....da jetzt nochmal über 700km drauf...

    "Ja, ein unverwundbares, unbegrabbares ist an mir, ein felsensprengendes: das heißt mein Wille"
      Nietzsche
  •  

     

    äh  Schlaf nochmal 2 Nächte drüber - isch macht das von Dir abhängig.....

     

    RESPECT EUCH allen 4 ..... coole Action vom Diesel als Begleitfahrzeug 

    ach nee oder doch - naja ........


     

  • Da denkste so, da geht nix mehr. Ist immer so, hatte ich bei den 617km auch. Aber die Grenze ist schon wieder weiter gesetzt. Wenn einer dann noch Liebeimage und Hingabe image reinlegt, geht fast alles.

    (Die Höhenmeter verteilen sich auch auf viel mehr Streckenlänge. Kälte ist nur ein Kleidungsthema.) imageimageimage

    Der beste Fisch ist immer noch der Schnitzel (.)
    ´¯` Oidaah pumpn muas's´¯`geht scho´¯`gemma Voigas·´¯`·...¸<((((º>

  • Ich denke auch dass es gehen sollte. Die anderen, die es angehen sind eben auch nicht mehr Superman als unsere 3. Auch nur aus Fleisch und Blut, löschen Feuer mit Wasser und essen nix so heiß, wie es gekocht wird. SO WHAT?

    @ da Pflegi: wennste Dir jetzt mal die letzten 60 Irrfahrt-Kilometer wegdenkst und stattdessen dann nach der Schlafpause im IBIS morgens einfach weiterfährst....das sollte doch machbar sein. Anders machen die P-B-P Finisher das auch nicht!

    IT´S A LONG WAY TO THE TOP - IF YOU WANNA ROCK´N ROLL

     


  • Muddi, machs nur von dir selbst abhängig!

    Bei so langen Dingern fährt jeder irgendwann ab irgendeinem Punkt für sich oder auch gegen sich. Selbst wenn die Kumpels noch daneben fahren. Ich finde, das ist noch viel mehr als beim Eiermann ne reine Kopfsache.

    Was sagt Ihr Pariser dazu?

    Der beste Fisch ist immer noch der Schnitzel (.)
    ´¯` Oidaah pumpn muas's´¯`geht scho´¯`gemma Voigas·´¯`·...¸<((((º>

  • Muahahaahh.Jo.Da kann ich sagen das Morgens um 4 der Pflegefall schon Hallzuzinationen hatte und sah schon einer seiner besten Frunde neben sich fahren mit einem Mountainbike.Aber das wird er bestimmt noch selber erzählen.Der hatte so einige Halluzinationen um die Uhrzeit.

  • edited September 2014
    karijambo schrieb:

     Ich finde, das ist noch viel mehr als beim Eiermann ne reine Kopfsache.

     

    100% !

    Und wir wissen ja alle: der Kopf wird gewinnen!!!

    IT´S A LONG WAY TO THE TOP - IF YOU WANNA ROCK´N ROLL

     


  • edited September 2014

    Hier der erste ungeschönte Teil unserer Tour nach Paris, den zweiten wird dann mein treuer Psychopath und Weggefährte Untergang schreiben



     

    Sonntag 1800, ich komme in Düren beim Untergang an, hinter mir liegt ein Wochenende mit wenig Schlaf, einem kleinen MTB Rennen in Luxemburg und einer Menge Bier...(vielen Dank an Rosa fürs überreden nochmal )

    Schiffsdiesel der Pornogalaktischer Supporter und Sidejoe treffen auch ein. Wir essen gemeinsam unsere letzte Henkersmahlzeit, machen unsere Höllenräder Startklar und fahren um punkt 2000 in Düren los....die ersten km sind schnell gemacht, die Stimmung Bombe. "booaahh, schon sieben km alda" ...noch ahnen wir nicht wie uns die Ardennen ficken würden.....

    die ersten zarten Hügel kommen, Eifen eben....die Sonne geht, die Dunkelheit bricht herein und wir näheren uns der Belgischen Grenze. Untergang führt uns auf einen hervorragenden Radweg der uns super voranbringt. Es wird langsam kühler, Nebelig und klamm. Gegen Mitternacht erreichen wir nach ca 90km den ersten VP, wo uns der Diesel mit allereli Köstlichkeiten erwartet.

    Nach kurzer Rast fahren wir zügig weiter, es wird hügliger, kälter...ich ärgere mich mal wieder über mich selber nur ne Kurze Hose dabeizuhaben.....

    ab jetzt fangen die Probs mit dem GPS an..immer wieder müssen wir anhalten uns orientieren oder fahren mehr oder minder auf gut Glück. Leider einmal zu weit in einen Schotterweg wo Untergnag sich einen Platten fährt. Der Dialog zu Untergangs Reparatur : "Ej, wieviel Bar willstn in den Schlauch noch reinpumpen" "ALLE"

    Nun sind wir mitten in den Ardennen, menschenleere Straßen und Siedlungen, nur noch Hügel an Hügel. In den Tälern ist es teilweise übelst Nebelich ind Arschkalt!!! Ich fühle mich immer schwächer, nehme die Anstiege im Wiegetritt, auf langen Abfahrten habe ich Teileweise Schüttelfrost Attacken....ich sehne mir den morgen herbei, der hoffentlich Wärme mitbringen würde....aber auch Sidjoes tritt wurde unsauberer, Knieprobleme plagen die eigentlich überfitte menschliche Maschine.

    Aber bis zum Morgengrauen sind es noch einige Stunden...und die Berge/Hügel reihen sich weiter aneinander...ich spüre meine Füße nicht mehr, zu kalt...egal, ist nicht das erste und letzte mal denke ich mir. Auch unser unplanmäßiger Fußmarsch übers Acker, als uns das GPS mal wieder verarscht hat, bringt nicht wirklich Wärme in die Knochen.

    Was ab 0400 passiert ist weiß ich nur noch Schemenhaft, ich kühle immer weiter aus, verfluche meine eigene Doofheit nix warmes mitzunehmen,  werde schläfriger, falle Teilweise ind Sekundenschlaf, werde aber immer wieder wach wenn ich kippelig werde...die langen Abfahrten werden zur Tortour...eisig Kalte Luft...die Anstiege verlangen mir alles ab, bekomme den Puls kaum noch hoch. Irgendwann sehe ich einen  Kumpel neben mir auf einem blauen MTB, Sidjoe sah aus wie ein Arbeitskollege und Untergangs Windjacke nahm die sonderbarsten Gestalten an!!! Meine ersten Halluzinationen!!!

    Sidejoe fährt sich einen Platten, schnell ist der neue Schlauch eingefädelt und weiter gehts im Halbschlaf...gegen 0600 überschreiten wir die Französische Grenze. Langsam wird es heller, ich werde endlich wieder wacher und ein Bäcker erschien uns wie eine Oase in der Wüste!!!

    Gestärkt begeben wir uns Richtung VP 2. Sidejoes Knie macht immer mehr Probleme, Untergang fährt voran wie ein junger Gott, sein größtes Problem ist eher der Umgang mit dem Tracking, als das Pedalieren! :D Gegen 0730 erreichen wir endlich VP2!! 240km sind in den Beinen! Noch ahnen wir nicht das dies nichtmal halbzeit ist....



     

     

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    "Ja, ein unverwundbares, unbegrabbares ist an mir, ein felsensprengendes: das heißt mein Wille"
      Nietzsche
  • edited September 2014

    Bericht vom Tabarnak 2014 (schiffsdiesel)

    Ich schreibe aus meiner Sicht wie alles drumherum gelaufen ist. Im supporten von Ultrasportlern habe ich einige Erfahrung. Trotzdem hatte ich Respekt vor der gestellten Aufgabe. Die Jungs sollten „nur“ schön pedalieren. Ich wollte „nur“ schön betreuen und es an möglichst nichts mangeln lassen. Mein Plan sah vor, Suppe und Kaffee während der Nacht schön heiss zu servieren und sich nach dem allgemeinen Befinden zu erkundigen, eventuelle Pannen zu beheben, Probleme zu beseitigen und das Weiterkommen zu sichern. Und das hat auch alles ganz gut geklappt.

    Wir haben uns bei Untergang am Sonntag so um 18:00 Uhr getroffen. Dann gabs erstmal die versprochene Glutamat-Bombe vom China-Imbiss zur Stärkung. Kneifen galt nicht. Dazu alkfreies Weizen. Lecker! Fast pünktlich um 20:00 Uhr sind die 3 Musketiere losgefahren. Ich hab noch bis ca. 21:15 Uhr mit CLD geschnackt und bin dann Richtung St. Vith gedüst. Dort habe ich auf dem Marktplatz vor dem Bahnhof auf die Jungs gewartet. U-gäng rief kurz vor Ankunft an und ich legte los mit dem Erhitzen der Speisen. Alle waren richtig gut drauf. Ich meine, Sidejoe hat da schon irgendwas mit „Knie....vor ein paar Wochen....echt doof...“ oder sowas ähnliches erwähnt. Keiner ist jedenfalls so richtig drauf eingegangen. Wir einigten uns darauf niemals zu sagen, dass wir gut in der Zeit lägen. Das fördert nämlich genau das Gegenteil zutage. So aßen die Jungs die heisse Suppe und tranken den Kaffee aus der KICKASS-Kanne (ausser Sidejoe) und alles war gut.

    Der nächste Stop sollte irgendwo in Charleville sein. Jetzt fing für mich das Navigierproblem an. Untergang hatte zwar den Track auf seinem E-trex gespeichert aber er hatte leider keine Frankreichkarte aufgespielt. Soll heißen: man sieht zwar die Punkte wo die Strecke langgeht aber keine Umgebung auf dem Bildschirm. Das Navi aus meinem Auto braucht aber irgendeine Adresse, will immer irgendeine Strasse eingegeben haben, am besten noch ne Hausnummer. Nur nach Charleville irgendwo geht eben nicht. Also tippte ich irgendwas in der Stadt ein. Nach einiger Zeit auf den menschenleeren belgischen Strassen bekam ich ein Gefühl davon, wie es wohl sei, dort jetzt mit dem Rad zu fahren. Die Temperatur war auch noch nicht zu kalt, befand ich nach einer Pinkelpause. Das werden die Fahrer vielleicht noch revidieren, denn sie waren ja schon länger unterwegs. Ich hoffte auf eine Autobahn oder Schnellstrasse für mich um möglichst schnell dort in Charleville zu sein und etwas schlafen zu können. Pustekuchen. Es ging ständig nur über schlecht geteerte und unbeleuchtete Landstrassen und durch verlassene Dörfer ohne erkennbare Spuren von Leben. Dann kam ich in eine Polizeikontrolle. Der Beamte sprach mich auf deutsch an und fragte mich, „ob ich denn auch nichts getrunken hätte, heute abend?“ Ich sagte nur: „Garnichts“ und er winkte mich einfach weiter. Dann änderte ich etwas später die Einstellungen in meinem Autonavi von „kürzeste Strecke“ in „schnellste Strecke“. Das Ergebnis war eine um 30km längere Route. Kurzfristiger Frust kam auf. Zum Glück hatte ich einen alten Autoatlas von Europa eingesteckt. Also hielt ich an einem gut beleuchteten Kreisverkehr an und suchte die entsprechende Seite raus, wo ich denn nun eigentlich war. Das dauerte gute 20 min. Dann sah ich, dass es in Begien scheinbar garkeine schnellen Querverbindungen gibt. Jedenfalls nichts, was mich irgendwie schneller durch diese Gegend von rechts nach links befördert hätte. Half ja alles nix, also weiterfahren.

    Nach gefühlten 3 Stunden kam ich völlig matt in Charleville um ca. 3:00 Uhr nachts an. Untergang und ich hatten uns am Bahnhof verabredet, weil man den immer irgendwie findet und weil er in jeder Stadt gut ausgeschildert ist. Das war aber in meinem nun schon gut übermüdeten Zustand und mit meiner leichten Motivationslücke zu aufwändig für mich. Außerdem wollte ich nicht vor einem so großen Bahnhof im Auto schlafen. Die Frage war also, wie sollte ich mich möglichst an der Strecke positionieren um die Fahrer nicht zu verpassen und sie keinen Umweg fahren? Da hab ich improvisiert. Das noch nicht benutzte, da ohne Karte sinnlose E-trex von U-gäng rausgekramt und auf Satelitenempfang gewartet. Da sah ich zwar den Track und die Trackpunkte, aber keine Strassen. Irgendwo vor dem Rathaus musste die Route vorbeigehen. Das war bei großer Auflösung (80mtr.) deutlich und unverkennbar. Also ab auf den Parkplatz vor dem Rathaus und erstmal ne Mütze voll Schlaf. Vorher schickte ich Alex noch eine SMS wo ich mich genau befand. (Km 210) Und ohne die Kehrmaschine, die nach ca. 30min. auftauchte und alles sehr ordentlich sauber machte, wäre das auch echt ein bisschen erholsam gewesen. Um ca. 6:30 Uhr wurde ich dann mit Rückenschmerzen von alleine oder gerade dadurch wach und kochte mir erstmal einen Kaffee hinter dem Golf. Einige haben doof geguckt deswegen.

    Dann kam schon der Anruf von Alex, dass sie nur noch 5km bis zu mir hätten. Und dann waren sie auch ganz schön schnell da. Nach kurzer Zeit am VP klagte Sidejoe über sein Knie. Er verstellte seine Sattelposition etwas und drehte ein paar Runden. Logischerweise hatte jeder von uns eine andere Idee dazu, was nun zu tun sei. Leider verhalf das alles nicht zum gewünschten Erfolg, sodaß er schweren Herzens entschied die Fahrt dort zu beenden. Mit derlei Schmerzen noch weitere 240 Kilometer abzuspulen wäre unverantwortlich gewesen. Dann hätte er sich evtl. stur weitergequält und wäre sicher nach der Tour für sehr lange Zeit ausgefallen. Also Schluss. Und gut für mich. Jetzt hatte ich endlich einen, der mich wachhielt. Und das tat Sidejoe perfekt. Wir quatschten die ganze Zeit angeregt und ab und zu kippte er wieder eine seiner zahllosen Dosen MonsterDrink in sich hinein und es ging munter weiter. Jetzt konnten wir gemeinsam über die belgischen Strassen motzen und uns wundern, wo denn da Menschen wohnen. Dann schweiften wir ab zu kulinarischen Gelüsten.

    Der Hunger kam durch. Sidejoe erzählte was von riesigen Hähnchen aus den französischen Supermärkten und ausserdem gab er eine alte Geschichte von einem Frankreichurlaub zum Besten und wir haben viel gelacht. Schön heiss vom Grill und essfertig zum Mitnehmen sollen diese Poulets sein. So eine wollten wir dann auch unbedingt haben. Vorher haben wir die beiden Jungs aber noch mal inflagranti irgendwo aufgelesen. Da fährt man so nichtsahnend durch Frankreich auf der Suche nach einem Supermarchè und trifft plötzlich 2 Fahrer aus Deutschland. Sidejoe hat gefilmt während wir uns von hinten mit dem Golf rangeschlichen haben. Irgendwann haben sie uns dann aber doch bemerkt und wir hielten kurz an für einen Schnack. Nach dem Schnack brauchten wir zwei aber unbedingt einen Snack. Und da war er plötzlich vor uns: ein riesiger Supermarkt mit allem drin und drum. Sidejoe kam freudestrahlend mit einer Poulet im Arm zurück und ich war entzückt dieses Monster von einem Hähnchen halb zu verspeisen. Ausserdem hatte er kleine FouFou`s mitgebracht, also richtig kulinarisch das Ganze. Ein Tisch war leider keiner zur Hand, drum schmiss ich einen Euro in den Schlitz eines Einkaufwagens und legte diesen quer neben das Auto. Einkaufswagen sind klasse Behelfstische mit integriertem Fett-Abtropfgitter! Die Poulet war erstklassig. Die FouFou`s waren Top. Sidejoe rauchte sich eine und kippte sein MonsterZeugs runter und alles war wieder in bester Ordnung mit uns, die Fahrt konnte weitergehen.

    Als nächstes verabredeten wir uns in Bery au Bac. Untergang wollte unter keinen Umständen auf der N2 fahren und so sollten wir uns am Ostende von Bery au Bac treffen. Sehr witzig diese Ansage, da keiner einen Kompass hatte. Als Sidejoe und ich da eintrafen hatten wir das Kaff in ca. 5min. schon umrundet und es gab nur eine wirkliche Möglichkeit wo wir sie treffen könnten. An einem alten Panzerdenkmal an einem riesigen Kreisverkehr. Dort machten wir einen Powernapp. Eigentlich nur ich, denn Sidejoe hatte soviel von der MonsterSchlotzi intus, dass an Schlaf bei ihm nicht zu denken war. Dann kam nach elendiger Warterei und faulem in-der-Sonne-rumbrutzeln der ersehnte Anruf von Alex. Sie seien schon in Laon und wir treffen uns erst wieder in Crepy. Wieder als Treffpunkt der Bahnhof. Also sind wir losgedüst. Coole Sache das, haben wir gedacht. Nur noch dieser VP und dann ab ins Hotel, ne schöne heisse Dusche, frische Klamotten und ab dafür. In Crepy hab ich mir eine volle Stunde Schlaf auf der Isomatte im Schatten gegönnt. Sidejoe hat aufs Auto aufgepasst, es war ja auch sein Rad draufgeschnallt. Ausserdem konnte er ja eh nicht pennen wegen seiner MonsterDrinkÜberdosis. Gut für mich. Die Stunde hat sehr gut getan.

    Als Untergang und Pflegefall dann angekurbelt kamen, konnte man ihnen die Erschöpfung deutlich ansehen. Aber sie haben sich nicht beschwert, mit keiner Silbe. Nur die Speicher auffüllen, nochmal die Trikottaschen vollstopfen, Wasser in die Trinkflaschen füllen und nach ca. 15-20 Minuten waren sie wieder unterwegs. Stark. Dann kam für mich die härteste Prüfung der gesamten Tour. Im Berufsverkehr nach Paris reinzufahren und das Hotel zu finden, indem wir eingebucht waren. Es war der Hass. Jeder Einheimische hat gemerkt, dass wir keine echten Pariser sind und uns das auch schön spüren lassen. Erstmal fett hupen, dann mit Vollgas auf uns draufhalten und im letzten Moment bremsen oder abdrehen. Ach ja, und zwischendrin musste ich noch das Navi ablesen, wo es denn langgeht. Sidejoe war in dem Moment leider keine echte Hilfe, da er vollends mit dem Filmen der großartigen Kulisse beschäftigt war. Wahrscheinlich war ich in dem Moment sein verzweifelt fluchender Hauptdarsteller, der krampfhaft versuchte, sich irgendwie durch dieses Chaos von Verkehr voran zu kämpfen. Ich habs gehasst von Anfang an und tue es immer noch. Irgendwann kamen wir aber tatsächlich immer näher an unseren Zielpunkt und sahen auch nette Mitmenschen am Wegesrand, die komische Substanzen auf provisorischen Kochgeräten zubereiteten. Sehr einladend, das Ganze.

    Sidejoe schauderte es, ich musste mich konzentrieren.

    Dann waren wir tatsächlich angekommen. Aber wir waren noch nicht mit dem Auto im Hotel! Dafür haben wir erst Abitur auf französisch gemacht. Das IBIS war schon ziemlich gut mit Sicherheitspersonal ausgestattet und überall waren normale Kameras und Klingelschranken mit Kameras und Aufzüge mit Kameras und so weiter. Irgendwann war auch das geschafft und wir hatten ein Zimmer. Geschätzte 12 Quadratmeter groß, aber das war erstmal völlig egal. Erstmal heiss duschen war die Devise. Dann rief U-gäng an, während ich gerade eingeseift war. Wie passend. Ausserdem merkte ich an mir eine verzögerte Reaktion. Ich musste mich erstmal irgendwie sammeln, mein Gehirn war nicht bereit für Denkaufgaben. Folge vom Schlafmangel. Kenn ich ja, ist aber trotzdem immer doof. 10 Minuten später habe ich ihn zurückgerufen und wir haben uns unter dem Eiffelturm verabredet. Dann kam die nächste Paris-Prüfung für mich. Das Auto wieder aus der Garage zu holen und die 12 Kilometer zum Turm heile zu überstehen.

    Das war mehr als Hass, das war die Hölle.

    Irgendwann sagte das Navi: siebte (7.!!!) Ausfahrt Kreisverkehr. Sidejoe lachte sich darüber voll kaputt und schmiss wieder seine GoPro an um mich dabei zu filmen, wie ich das wohl überleben wollte. Er kommentierte auch noch schön dabei. Da war ich dann doch kurzfristig etwas ungehalten und tat das auch sehr lauthals kund. Nachdem wir tatsächlich relativ nah am Eiffelturm einen kostenlosen Parkplatz fanden, haben wir uns alles in Ruhe angesehen. Um 22:00 Uhr wurde der Turm mit Blitzlichtern beleuchtet, was sehr eindrucksvoll war. Und kurz danach waren unsere beiden verbliebenen Randonneure tatsächlich kaputt aber gesund und glücklich in Paris angekommen. Es folgte eine ausgiebige Fotosession mit allen erdenklichen Posen. Mit Siegerzigarre und Fahrrad hochgehalten, ohne Fahrrad ohne Zigarre, mit 1 Fahrrad, mit 2 Rädern. Mit Turm, ohne Turm, alle vier, nur die beiden. Ach herrlich. Dann wurden schnell die Bikes auf dem Golf verzurrt und ab ins Hotel zurückgefahren. Unten an der Pforte konnte man Pizza bestellen die aufs Zimmer geliefert wurde. Also wurde 4 mal eine Doppel-Pizza bestellt. Nachdem wir die auch fast aufgegessen hatten, kam nur noch die Müdigkeit über uns und jeder schlief so ein, wie er gerade dalag. Ich erinnere mich nur noch ans Zudecken und an den Anruf von irgendwem bei irgendwem morgens um 8:20 Uhr.

    Da haben wir ausgecheckt, unseren Kram gepackt und sind wieder nach Hause gedüst. Die Rückfahrt war unspektakulär.

    Mit sportlichem Gruß, der Diesel

    (ich hoffe, alles chronologisch korrekt wiedergegeben zu haben. Da ich mir unterwegs keine Notizen gemacht habe, kann der Text an manchen Stellen unrund sein. Danke für euer Fairständnis)

    IT´S A LONG WAY TO THE TOP - IF YOU WANNA ROCK´N ROLL

     


  • edited September 2014

    Also nun mein Senf zu Tabarnak No.1 (die Wiederholung findet statt wenn Sidejoe´s Knie Zeit und Lust hat). Neben der Freude darüber es endlich mal in Angriff genommen und Dank der Hilfe meiner Mitstreiter auch geschafft zu haben bin ich sehr froh und stolz, das die Choose ohne größere Zwischenfälle abging. Kein Sturz, kein Unfall, keine Defekte. Dazu Spitzenwetter und meistens sehr gute Stimmung unter den Beteilligten. Mit Halluzinationen und Gelenkproblemen hatte ich auch nicht zu kämpfen. Meine Dämonen hiessen Navigation und N2! Wobei ich´s wie so oft selbst Schuld war. War mir meiner Defizite im Bereich Routenplanung / Umgang mit GPS zwar bewußt, hab´ sie aber nie in Angriff genommen und immer auf die lange Bank geschoben. So schwankt man dann zwischen Torschluß-Panik und wird-schon-gut-gehen. Und die Jungs mußten´s ausbaden ...

    Anknüpfend am Pflege´s Bericht ging´s also in Charleville nach 240 km bei Streckenkilometer 210 um 8.10 Uhr zu zweit weiter. Davor hatten wir uns mehrfach ordentlich verfranst und entsprechend 30 km mehr auf der Uhr. Nachdem wir die letzten Ausläufer der Ardennen bezwungen hatten wurde die Landschaft wellig anstatt bergig und die Sonne lies sich auch langsam blicken. Es folgte der nach dem Vennbahnweg schönste Streckenabschnitt. Einzig der in Frankreich sehr raue Asphalt nervte mehr oder weniger, zumal ich auf 23er Reifen unterwegs war. Für P-B-P werde ich mindestens 25er aufziehen; eher 28er. Und so radelten wir relativ entspannt durch entvölkerte nordfranzösische Käffer mit Namen, die eher zu Pornodarstellern passen als zu Ortschaften. Circa 80 km sollten es bis zum nächsten Treffpunkt Berry au Bac sein. Von dort aus wollte ich abweichend vom Track nicht nach Laon und von da aus über die N2, sondern auf der N925 durch irgendein Tal direkt nach Soissons. Aber nach 100 km noch immer keine Spur von Berry. Dafür Einfahrt nach Laon. Wir hatten das Kaff tatsächlich verpasst. Also unser Teamfahrzeug angerufen und einen neuen Treffpunkt in Compiègne vereinbart. Da unsere Mägen, Trikottaschen und Trinkflaschen leer waren haben wir dann noch eine Brasserie geentert und uns an der gar nicht so leckeren französischen Küche gelabt. Danach ging´s nach kurzem Zufalls-Treff mit den Supportern direkt ab in die Hölle auf Rädern: N2!!!                                                                                                

    Diese Strasse hat über weite Strecken den Charakter einer Autobahn und so radelt man meistens von fröhlich hupenden Autofahrern im Sog der Sattelschlepper zügig vor sich hin. Ab und an wird´s einspurig und der Seitenstreifen weicht einer splittverseuchten Rüttelpiste. So waren wir zwar adrenalin-geschwängert, aber dafür ratz fatz in Soisson. An der Tanke gab´s ´ne Dose Cola und wir waren bester Laune. Als wir diese Stadt aber Richtung SW verlassen wollten stürzte die Laune ins Bodenlose und riss die Motivation mit in die Tiefe. Es begann eine nicht enden wollende Serie von warum-kreisen-wir-hier-durch-dieses-verschissene-Wohngebiet-und-können-es-nicht-ohneAutobahn/Schnellstrasse-in-westliche-Richtung-verlassen-Dramen. Dazu noch ein paar Telefonate mit dem sehr guten Rat von diesel nicht über Compiègne, sondern über Crepy zu fahren. Da kamen wir dann auch irgendwann an und trafen die Jungs am Bhf. um ein letztes Mal unsere Speicher zu füllen. Langsam machten sich auch die km bei mir bemerkbar. Mein Hintern tat weh und ich bekam Schmerzen an den Füßen. Zudem lies die Kraft nach, was mir beim ausklicken zusehends zu schaffen machte. Als diesel beim Verabschieden mutmaßte, daß wir wohl gegen zehn ankommen würden dacht ich noch, daß wir doch locker vorher da sein müßten. Eine allzu optimistische Einschätzung der Lage, wie sich noch zig-fach herausstellen sollte! Es scheint schlichtweg nicht vorgesehen zu sein Paris aus nord-östlicher Richtung mittels RR erreichen zu können. Schotterweg oder Autobahn/Schnellstrasse heissen die Alternativen. Wenn sich dann noch zwei abgewrackte Gelegenheits-x-trem-Spochtler mit Geräten rumschlagen, mit denen sie sich nicht auskennen(U-gäng) oder von zickiger Software geplagt werden (Pflege) , kreist man halt weiterhin durch gesichtslose Wohngebiete und landet letzendlich wieder auf Suicidal-Schnellstrassen. Spätestens mit Einbruch der Dunkelheit ein sehr zweifelhaftes Vergnügen. Aber irgendwann war auch dieses Stück bewältigt und wir standen endlich zwischen zwielichtigen Gestalten und ausgebrannten Autos in den Pariser Vorstädten, die sooft wegen der friedlichen Montags-Demos im TV zu sehen sind. Nachdem wir unsere Routenplanung zum x-ten Mal abgeändert hatten einigten wir uns nach dem einzigen kurzen Anmaulen darauf nach Himmelsrichtung zu fahren. Nach exakt (!) 500km standen wir endlich an der Stadtgrenze!! Witziger Weise 50m neben unserem Hotel, wie sich später rausstellen sollte. Schnell noch ´nen Burger und ´ne Cola reingepfiffen, eine Gruppe äußerst freundlicher und hilfsbereiter Araber nach dem Weg gefragt und Endspurt. Drei Ampeln weiter noch ´nen Studi angequasselt um zu schauen ob wir noch auf Kurs sind. Der hat uns kurzer Hand ins Schlepptau genommen, da le tour auf seiner Route lag. Also mit halsbrecherischer Fahr mit Abstecher zum Louvre über sämtliche rote Ampeln (Gabrielle meinte, daß die Flics einen dafür auch schon mal hopps nehmen und in Arrest setzten und schaute sich vor jeder Ampel für 1/10 sek. um, ob die Luft rein ist) und nach einer knappen halben Stunde sight-seeing endlich am heiss ersehnten Tour d´Eiffel angekommen! Den weiteren Verlauf des Abenteuers konntet Ihr ja diesels Bericht schon entnehmen. Der Wahnsinnige hatte auf der Rückfahrt auch schon wieder eine geile Idee, um unsere Kadaver ein Stück näher Richtung Ruin zu befördern.

    Als wir die Rückfahrt angetreten haben, hab´ ich´s schon ein bisschen bedauert mittwochs wieder arbeiten zu müssen. Wäre gerne wieder zurückgeradelt....

    Ach ja: Nochmals vielen Dank an meine Unterstützer und Mittäter . Weiss nicht, ob ich´s auch ohne Euch hinbekommen hätte. So schön wär´s alleine jedenfalls nicht geworden.

     

     

     

     

     

    Erwachsenwerden? Ich mach' ja viel Scheiß mit, aber nicht jeden!

  • Endgeile Berichte - vielen Dank für die tolle Unterhaltung  

  • Alter.... habisch garnich gesehen... :shock: datt sind ja ROMANE!!! :respekt:

    Geil... lese ich gleich nächste woche nach dem Survival... :thumbs:

    Wer will findet Wege, wer nicht will, der findet Ausreden

  • Junx, ich bin stolz auf Euch!!!!!

    Die Berichte sind der Hammer und Eure Leistung hammerhart....

    Bin hier doch nur auf Reha...
  • edited September 2014

    Zum 25. CaBaNauTiScheN Geburzeltag sollten wir ein Buch herausbringen, über die Erlebnisse und Abenteuer der CaBaNauTeN (Jimmi hat's ja mal vorgemacht). Und so'ne Berichte wie von den Dreien passen da rein wie der berühmte Arsch in den Bottich. Geile Berichte. 

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